Die Bedeutung des Handelns: Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung

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Abstract

Hirnforschung hat hohe Konjunktur. Sie sucht und sie findet gro\e Aufmerksamkeit. Unter Hirnforschung verstehen kann man die wissenschaftliche Untersuchung des Aufbaus und der Leistungen „des cerebralen Anteils des Zentralnervensystems, also des, zentralsten’ Anteils dieses zentralen ... Integrations-, Koordinations- und Regulationsorgans des Organismus höher entwickelter Tiere’1. Erwartet wird von der Hirnforschung gemeinhin ein vertieftes Verständnis menschlicher Hirnfunktionen und psychischer Vorgänge. Es fällt auf, dass Hirnforschung zumeist mit dem Hirn als Organ in Verbindung gebracht wird. Man kann sich indes den Integrations-, Koordinations- und Regulationsfiinktionen des Hirns auch in einer zweiten Weise widmen. Im Namen einer — wie auch immer gearteten — Philosophie des Geistes, des Bewusstseins, des Denkens usf. bestehen weitere, sehr weit zurückreichende Traditionen der „Hirnforschung”.3 Das kann man so sagen, wenn man bereit ist, über die Schwellen der selbst gesetzten disziplinären und epistemologischen Grenzen hinwegzublicken und zu registrieren, dass es verschiedene Zugangsweisen zum Fühlen, Denken und Handeln gibt, die jeweils ihre Fundierung und Berechtigung haben. Ohnehin ist festzustellen, dass — in grober Fraktionierung gedacht — die naturwissenschaftliche ebenso wie die geistes- und sozialwissenschaftliche Kognitionsforschung regelmä\ig sich des Blickes über den Rubikon bedienen, um an theoretischer und empirischer Arbeit durchfuhren zu können, was nachher wieder gern als einseitige Leistung nur einer wissenschaftlichen Art, die Welt zu sehen, verbucht und verkauft wird.
Original languageGerman
Title of host publicationAkteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts
Subtitle of host publicationEine Kontroverse
EditorsJo Reichertz, Nadia Zaboura
PublisherVS Verlag für Sozialwissenschaften
Pages101-119
ISBN (Electronic)978-3-531-90321-7
ISBN (Print)978-3-531-14930-1
Publication statusPublished - 2006

Keywords

  • IR-85273

Cite this

Stegmaier, P. (2006). Die Bedeutung des Handelns: Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung. In J. Reichertz, & N. Zaboura (Eds.), Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts: Eine Kontroverse (pp. 101-119). VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Stegmaier, Peter . / Die Bedeutung des Handelns : Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung. Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts: Eine Kontroverse. editor / Jo Reichertz ; Nadia Zaboura. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006. pp. 101-119
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Stegmaier, P 2006, Die Bedeutung des Handelns: Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung. in J Reichertz & N Zaboura (eds), Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts: Eine Kontroverse. VS Verlag für Sozialwissenschaften, pp. 101-119.

Die Bedeutung des Handelns : Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung. / Stegmaier, Peter .

Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts: Eine Kontroverse. ed. / Jo Reichertz; Nadia Zaboura. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006. p. 101-119.

Research output: Chapter in Book/Report/Conference proceedingChapterAcademic

TY - CHAP

T1 - Die Bedeutung des Handelns

T2 - Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung

AU - Stegmaier, Peter

PY - 2006

Y1 - 2006

N2 - Hirnforschung hat hohe Konjunktur. Sie sucht und sie findet gro\e Aufmerksamkeit. Unter Hirnforschung verstehen kann man die wissenschaftliche Untersuchung des Aufbaus und der Leistungen „des cerebralen Anteils des Zentralnervensystems, also des, zentralsten’ Anteils dieses zentralen ... Integrations-, Koordinations- und Regulationsorgans des Organismus höher entwickelter Tiere’1. Erwartet wird von der Hirnforschung gemeinhin ein vertieftes Verständnis menschlicher Hirnfunktionen und psychischer Vorgänge. Es fällt auf, dass Hirnforschung zumeist mit dem Hirn als Organ in Verbindung gebracht wird. Man kann sich indes den Integrations-, Koordinations- und Regulationsfiinktionen des Hirns auch in einer zweiten Weise widmen. Im Namen einer — wie auch immer gearteten — Philosophie des Geistes, des Bewusstseins, des Denkens usf. bestehen weitere, sehr weit zurückreichende Traditionen der „Hirnforschung”.3 Das kann man so sagen, wenn man bereit ist, über die Schwellen der selbst gesetzten disziplinären und epistemologischen Grenzen hinwegzublicken und zu registrieren, dass es verschiedene Zugangsweisen zum Fühlen, Denken und Handeln gibt, die jeweils ihre Fundierung und Berechtigung haben. Ohnehin ist festzustellen, dass — in grober Fraktionierung gedacht — die naturwissenschaftliche ebenso wie die geistes- und sozialwissenschaftliche Kognitionsforschung regelmä\ig sich des Blickes über den Rubikon bedienen, um an theoretischer und empirischer Arbeit durchfuhren zu können, was nachher wieder gern als einseitige Leistung nur einer wissenschaftlichen Art, die Welt zu sehen, verbucht und verkauft wird.

AB - Hirnforschung hat hohe Konjunktur. Sie sucht und sie findet gro\e Aufmerksamkeit. Unter Hirnforschung verstehen kann man die wissenschaftliche Untersuchung des Aufbaus und der Leistungen „des cerebralen Anteils des Zentralnervensystems, also des, zentralsten’ Anteils dieses zentralen ... Integrations-, Koordinations- und Regulationsorgans des Organismus höher entwickelter Tiere’1. Erwartet wird von der Hirnforschung gemeinhin ein vertieftes Verständnis menschlicher Hirnfunktionen und psychischer Vorgänge. Es fällt auf, dass Hirnforschung zumeist mit dem Hirn als Organ in Verbindung gebracht wird. Man kann sich indes den Integrations-, Koordinations- und Regulationsfiinktionen des Hirns auch in einer zweiten Weise widmen. Im Namen einer — wie auch immer gearteten — Philosophie des Geistes, des Bewusstseins, des Denkens usf. bestehen weitere, sehr weit zurückreichende Traditionen der „Hirnforschung”.3 Das kann man so sagen, wenn man bereit ist, über die Schwellen der selbst gesetzten disziplinären und epistemologischen Grenzen hinwegzublicken und zu registrieren, dass es verschiedene Zugangsweisen zum Fühlen, Denken und Handeln gibt, die jeweils ihre Fundierung und Berechtigung haben. Ohnehin ist festzustellen, dass — in grober Fraktionierung gedacht — die naturwissenschaftliche ebenso wie die geistes- und sozialwissenschaftliche Kognitionsforschung regelmä\ig sich des Blickes über den Rubikon bedienen, um an theoretischer und empirischer Arbeit durchfuhren zu können, was nachher wieder gern als einseitige Leistung nur einer wissenschaftlichen Art, die Welt zu sehen, verbucht und verkauft wird.

KW - IR-85273

M3 - Chapter

SN - 978-3-531-14930-1

SP - 101

EP - 119

BT - Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts

A2 - Reichertz, Jo

A2 - Zaboura, Nadia

PB - VS Verlag für Sozialwissenschaften

ER -

Stegmaier P. Die Bedeutung des Handelns: Zum Verhältnis von Wissensoziologie und neuropsychologischer Hirnforschung. In Reichertz J, Zaboura N, editors, Akteur Gehirn — oder das vermeintliche Ende des handelnden Subjekts: Eine Kontroverse. VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2006. p. 101-119